Einleitung Symptome
Laborchemische Befunde Diagnostik Therapie Prognose
Einleitung
- Die hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) ist
eine sehr seltene, rezessiv vererbte Krankheit, die bei 80% der Patienten schon im
Säuglingsalter ausbricht, jedoch auch noch bis zum Schulalter auftreten kann. Weltweit
sind nur einige hundert Fälle registriert.
- Es muss zwischen der passageren Form und der
familären Form (FHL) unterschieden werden.
Der genetische Defekt ist noch unklar, in einer
Untergruppe wurde ein genetischer Defekt festgestellt. Infektionen können den Ausbruch
oder Rezidive der Krankheit triggern. Die Krankheit ist durch eine Infiltration aller
Organe durch Histiozyten und Lymphozyten charakterisiert. Bei Histiozyten, die im
Knochenmark gebildet werden, handelt es sich um so genannte "Freßzellen". Sie
dienen der Infektbekämpfung und der Abwehr körperfremder Substanzen. Warum genau es zu
einer überschießenden Aktivierung des Immunsystems mit vermehrter Bildung dieser Zellen
kommt, konnte noch nicht nachgewiesen werden.
Unerkannt und -behandelt nimmt diese Hystiozytose einen
tödlichen Verlauf. Es ist anzunehmen, dass es eine hohe Dunkelziffer an Erkrankungen
gibt, da die HLH unter Symptomen verläuft, die man auch bei banalen Infektionen finden
kann. Oft wird die Erkrankung erst durch eine familiäre Häufung, d.h. durch die
Erkrankung eines Geschwisterkindes erkannt.
Symptome
- Die Krankheit ist durch lymphohistiozytäre Infiltration aller
Organe charakterisiert, die durch eine überschießende Aktivierung des Immunsystems
verursacht wird, als deren Auslöser Infektionen diskutiert werden. Die Krankheit beginnt
im Säuglingsalter mit folgenden Symptomen:
- Anhaltendes Fieber, oft verbunden mit sogenannten
Banalinfektionen (Schnupfen, Mittelohrentzündung oder Durchfall usw.)
- Leber- und Milzvergrößerung, seltener
Lymphknotenschwellungen und Gelbsucht, Symptome des zentralen Nervensystems
- Reduzierter Allgemeinzustand, Blässe
Laborchemische Befunde
- Bei laborchemischen Untersuchungen finden sich folgende
Befunde:
- Verminderung der Blutzellen aller Systeme (Panzytopenie),
zumindest aber zweier Systeme (meist Anämie und Thrombozytopenie)
- Erhöhung der Fettwerte im Blutserum (Hypertriglyceridämie)
- Verminderung des Blutgerinnungsfaktors (Hypofibrinogenämie)
- Erhöhung der Leberwerte
Diagnostik
- Für die Diagnosestellung ist eine Untersuchung des
Knochenmarkes durch Punktion, in manchen Fällen eine Leber-, Milz- und/oder
Lymphknotenbiopsie erforderlich. Doch selbst dann ist die HLH nicht immer pathologisch
nachweisbar, so dass oft nur der klinische Verlauf die Diagnose erhärtet
Sehr häufig liegt ein Befall des zentralen Nervensystems
(ZNS) vor, so daß Untersuchungen des Gehirnwassers (Liquors) mittels Entnahme aus dem
Wirbelkanal erforderlich sind. Eine wichtige Untersuchung ist die Funktion der
natürlichen Killerzellen, die bei den Patienten vermindert ist bzw. im Laufe der
Erkrankung dies wird.
Therapiemöglichkeiten
- Ist HLH
diagnostiziert, wird mittels einer Kombination aus Zytostatika und Cortison oft eine
Remission (Zurückgehen der Krankheitserscheinungen) erzielt. Ist dies der
Fall liegt die so genannte passagere Form vor und es ist keine weitere
Behandlung notwendig.
- Schlägt die Behandlung nicht
an oder kommt es nach Absetzen der Behandlung zu einem Rezidiv, so handelt es
sich um die familäre Form. Die zur Zeit einzige
Erfolg versprechende Therapie, die
Knochenmarktransplantation, muss hier angestrebt werden.
Im Falle des Nichtvorhandenseins eines Familienspenders
sollte eine Fremdspendertransplantation vorgenommen werden. Zwischenzeitlich wird
versucht, die Krankheit durch Zytostatika, Cortison und andere immunsuppressive
Medikamente in Schach zu halten.
Prognose
- Eine gute Prognose besteht zur Zeit nur durch eine
erfolgreiche Knochenmark-Transplantation (KMT). Nur äußerst selten wurde nach einer
solchen Therapie von einem Wiederauftreten der Krankheit berichtet. Langzeiterfahrungen
mit der KMT liegen bislang nicht vor, da die KMT bei FHL erst seit den 80er Jahren
durchgeführt wird. Seit 1994 gibt es eine internationale Therapiestudie der
Histiocyte Society. ( Jan-Inge Henter, Stockholm) In Deutschland setzt sich
Frau Prof. Dr. Janka Schaub (HH-Eppendorf) seit langem intensiv für die
Behandlung der HLH/FHL ein.
Dennoch sollte man nichts unversucht lassen, diese
Krankheit in der Öffentlichkeit und insbesondere bei den niedergelassenen Kinderärzten
bekannter zu machen, um die Sensibilität für HLH/FHL zu erhöhen und somit den erkrankten
Kindern die einzige Überlebenschance zu wahren, die sie haben: die Diagnosestellung und
Therapie bis hin zur Knochenmarktransplantation.